Dienstag, 9. Januar 2018

Café Fatal

Wie geht CAFÉ FATAL? Wer LAS VEGAS kennt, kennt den Grundmechanismus von CAFÉ FATAL. Und wer LAS VEGAS nicht kennt, hat ein Problem. Erstens weil er ein saugutes Spiel verpasst. Zweitens weil ich mich hier gleich mehrfach auf LAS VEGAS beziehen werde.
Auch in CAFÉ FATAL platzieren wir lasvegasmäßig Würfel (alle werfen, eine Zahl wählen, alle dieser Zahl auf dasselbe Feld setzen), allerdings ohne dass vorab festgelegt wäre, welche Zahl wohin gehört. Bei vier Spielern gibt es 13 Ablagefelder. Jeder startet auf einem Feld seiner Wahl. Auf jedem liegt mindestens ein Käse-, Pizza- oder Tortenstück als Belohnung für denjenigen, der hier am Ende des Durchgangs die meisten Würfel besitzt. (Bei Gleichstand zählt die höhere Augenzahl.)
Weitere Würfel darf ein Spieler in späteren Würfen nur benachbart ablegen. Zudem müssen sie eine andere Augenzahl haben als alle seine bisherigen ausgelegten Würfel. Wählt man eine Augenzahl, die man bereits gelegt hat, müssen die neuen Würfel hinzu. Sind alle Würfel aller Spieler platziert, wird der Durchgang ausgewertet.


Was passiert? CAFÉ FATAL erfordert das Lesen der Auslage. Meine ersten Würfel will ich einerseits – natürlich – in eine Region setzen, wo es viel zu holen gibt. Zweitens sollte ich Ausbreitungsmöglichkeiten haben.
Wer in der Spielerreihenfolge vorne sitzt, kann allerdings leicht eingekesselt werden, egal wie genau er sich seine Platzierung überlegt. Wenn auch nur ein einziger Spieler einem das Revier streitig machen möchte, erweist sich das bereits als nachteilig. Der Zweikampf absorbiert Würfel und verhindert eine größere Ausbreitung in die Fläche. Wer freies Hinterland hat und Felder ohne große Konflikte gewinnt, darf sich freuen.
Im Vergleich zu LAS VEGAS zeigt sich: Sechs (statt acht) Würfel senken die Spannungskurve. Man hat in seinen Spielzügen weniger Auswahl, das Pulver ist früher verschossen. Dass die Würfelergebnisse Spieler zu bestimmten Handlungen zwingen, macht in LAS VEGAS den besonderen Witz aus, weil ungewollte Gleichstände einen lachenden Dritten hervorbringen. CAFÉ FATAL fehlt diese Wendung. Doofe Würfelergebnisse sind und bleiben doof und sorgen für Frust.
Bester Kniff des Spiels ist die Wertung. Pizza (am häufigsten im Spiel) zählt einen, Käse zwei, (seltene) Torte fünf Punkte. Hat man fünf Stücke derselben Sorte, zählen sie doppelt. So begehrt die Torten auch sind: Der Fünfling gelingt bei Pizza oder Käse erheblich häufiger. Oft entscheidet über den Spielsieg, ob man fünf oder nicht fünf einer Sorte ergattern konnte. Das macht es spannend, und man sammelt nicht irgendwas und nicht nur auf Masse.


Was taugt es? Bekannte Mechanismen aufzugreifen, ist legitim. Letztendlich greift jedes Spiel Bekanntes auf, variiert, ergänzt, repariert. Allerdings sollte ein Mehrwert schon erkennbar sein. In CAFÉ FATAL erkenne ich ihn nicht. Ausgerechnet die markanteste Änderung – das Spielfeld samt der Bedingung, Würfel benachbart zu platzieren – macht die Spielverläufe eher unbefriedigend, obwohl sich sogar neue taktische Optionen ergeben.
Negativ kommt hinzu: Das Material erinnert an billige Mitbringspiele. Und das Café-Thema passt auch nicht so richtig und wirkt gewollt.
CAFÉ FATAL ist spielerisch trotzdem nicht reizlos. Es macht schon einigermaßen Spaß. Taktieren und spekulieren, zocken und frohlocken. Aber warum sollte man CAFÉ FATAL spielen, wenn man auch das viel bessere, dichtere, emotionalere LAS VAGAS spielen kann?


*** mäßig

CAFÉ FATAL von Brett J. Gilbert und Trevor Benjamin für zwei bis fünf Spieler, Zoch.

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