Mittwoch, 3. Januar 2018

Bunny Kingdom

Geschichte wiederholt sich. Vor allem in Eroberungsspielen. Obskurerweise schicken höhere Instanzen immer wieder mehrere konkurrierende Eroberer los, und wer von ihnen am besten erobert, wird Obereroberer und gewinnt. Normalerweise entscheiden Siegpunkte, die der Stimmigkeit halber manchmal auch „Ruhmespunkte“ oder „Machtpunkte“ heißen. Oder wie in diesem Fall „Goldene Karotten“, denn die Eroberer sind niedliche Häschen.
Die thematische Einbettung eröffnet dem Illustrator zahlreiche Möglichkeiten für eine putzige Gestaltung, und Paul Mafayon verwandelt die Vorlage souverän. Für das Spiel selbst macht es jedoch keinen Unterschied, ob Hasen hoppeln oder Ritter raufen. Nur die Aufmerksamkeit ist urplötzlich größer. Spieler öffnen die Schachtel und rufen begeistert: „Oh, Hasen!“


Wie geht BUNNY KINGDOM? Oh, Hasen!
In der zehn mal zehn Felder großen Hasenwelt enthalten einige Spielfelder Rohstoffe, auf manchen Feldern befindet sich ein Turm, weitere Felder sind leer. Ziel sollte es sein, zusammenhängende Felder in Besitz zu nehmen. Denn jedes Gebiet punktet nach folgender Formel: Anzahl Türme mal Anzahl verschiedener Rohstoffe.
Bei Spielbeginn gibt es nur drei verschiedene Rohstoffe (auf 40 Feldern) und 17 Türme. Mittels Karten können sowohl weitere Rohstoffsorten als auch weitere Türme ins Spiel gebracht werden, um eigene Gebiete nachträglich aufzuwerten. Zunächst muss man die Felder jedoch in Besitz nehmen. Dies geschieht, indem man die entsprechende Koordinatenkarte (von A1 bis J10) spielt.
An Karten gelangt man durch Drafting: Von seinem Anfangsbestand behält und spielt man zwei, kriegt anschließend die verschmähten Karten des Nachbarn, wählt davon wieder zwei, gibt den Rest weiter … bis sämtliche Karten gespielt sind. Dann gibt es erstmals Punkte, anschließend neue Karten und nach vier Durchgängen endet das Spiel.
Außer den schon beschriebenen und einigen Spezialkarten enthält der Kartensatz auch 37 „Schriftrollen“. Wer eine solche wählt, hält sie bis zur Schlusswertung geheim, wo sie (meist unter bestimmten Bedingungen) Punkte zählt.


Was passiert? Da es ein Ausbreitungsspiel ist, breiten sich die meisten Spieler aus – und stellen dann fest, dass es gar nicht so einfach ist, ein großes zusammenhängendes Gebiet zu erobern, und dass diese Mühe möglicherweise mit weniger Punkten belohnt wird als das gezielte Sammeln von Schriftrollen.
Die Schriftrollen sind in BUNNY KINGDOM das Salz in der Suppe. Manche bringen völlig unabhängig von der Situation auf dem Spielbrett Punkte, für andere muss man bestimmte Ausbreitungsziele erreichen (beispielsweise sieben Felder mit dem Rohstoff Holz besitzen), allerdings ohne den Druck, viele Türme und Rohstoffarten in einem Gebiet vereinen zu müssen.
Auf die Balance kommt es an: Je mehr Schriftrollen ich bunkere, desto mehr Raum lasse ich den Ausbreitungsstrategen auf dem Spielplan. Und je weniger ich selber auf dem Spielplan vertreten bin, desto schlechter stehen meine Chancen, die Bedingungen der vielen schönen Schriftrollen zu erfüllen.
So schafft BUNNY KINGDOM Situationen voller Zwiespalt: Von den zehn oder zwölf Anfangskarten ist oft die Hälfte viel zu attraktiv, um sie in fremde Hände gelangen zu lassen. Der Reiz und die Herausforderung bestehen darin, zu filtern und Prioritäten zu setzen. Planungssicherheit gibt es selten, denn nicht alle Karten kommen ins Spiel, und manch erhoffte Schriftrolle hat vielleicht längst ein anderer Spieler behalten, und man wartet und wartet vergebens.
Der Drafting-Mechanismus gaukelt eine Interaktion allerdings eher vor. Jeder ist mit seinen eigenen Plänen beschäftigt. Die diversen Bedingungen der eigenen Schriftrollen zu überblicken, ist schon kompliziert genug. In meinen Runden herrschte keine große Bereitschaft, sich darüber hinaus auch noch mit den potenziellen Schriftrollen der Konkurrenz zu befassen oder eine Karte nur deshalb zu wählen, damit sie ein anderer nicht bekommt.


Was taugt es? Gutes Abschneiden beruht bei BUNNY KINGDOM zunächst auf Erfahrung. Wer schon mindestens eine Partie hinter sich hat und deshalb weiß, wie der Hase läuft, hat Vorteile. Sind alle Spieler ähnlich erfahren, beruht ein gutes Abschneiden eher auf Glück. Es gibt nun mal klar stärkere und klar schwächere Karten und somit auch bessere und schlechtere Starthände. Glück hat, wer früh etwas Zusammenhängendes aufbauen kann. Glück hat auch, wer schöne Multiplikatoren oder ideale Schriftrollen ergattert.
BUNNY KINGDOM macht Spaß, ist spannend und unterhält. Man trifft eine Wahl, man hofft auf gute Karten, man fiebert mit. Der Reiz liegt im Überfluss. Es gibt viele Dinge, die man tun, und Wege, die man verfolgen könnte. Nur geht eben nicht alles.
Ein neuartiges Spielgefühl kreiert BUNNY KINGDOM nicht. Andere Drafting-Spiele leisten dasselbe. Der Detailreichtum macht das Spiel etwas wirr (was durchaus gewollt sein kann), zusätzlich erschweren die kleinen Figuren und das gedrängte Spielfeld aber auch das Handling und die Übersicht. Wenn es denn wirklich nötig ist, einige Spielfelder durch Lavaströme voneinander zu trennen, sollte diese Lava dann auch zu sehen sein, wenn die Felder durch Figuren besetzt sind.


**** solide

BUNNY KINGDOM von Richard Garfield für zwei bis vier Spieler, iello.

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